Getting Ready Hochzeit – so entstehen die ehrlichsten Bilder des Tages

Das Getting Ready Hochzeit ist der erste Akt des Tages – und für mich seit Jahren der Teil, an dem ich am liebsten beginne. Beim Anziehen, Schminken und Vorbereiten entstehen einige der intimsten und ehrlichsten Bilder der gesamten Reportage. Die Trauzeugin lacht, die Mutter weint heimlich, der Bräutigam bindet die Krawatte zum dritten Mal neu. Diese Momente passieren genau einmal, sie sind flüchtig, und später sind es genau die Bilder, die in der Galerie am häufigsten angeschaut werden.

Trotzdem wird das Getting Ready in vielen Ablaufplänen wie Wartezeit behandelt: irgendwo zwischen Frühstück und Abfahrt, ohne klare Zeit, ohne Gedanken an Raum und Licht. Dabei mischen sich in diesen zwei, drei Stunden Aufregung, Vorfreude und Nervosität wie zu keinem anderen Zeitpunkt. Wer diese Phase bewusst plant, bekommt nicht nur schönere Fotos, sondern startet auch ruhiger in den Tag.

In diesem Beitrag erkläre ich, wie das Getting Ready aus meiner Sicht funktioniert: wie viel Zeit ihr wirklich braucht, welcher Raum für Bilder taugt, was bereitliegen sollte, wer dabei sein darf – und welche drei Dinge jedes Bild ruinieren, egal wie gut Kleid und Frisur sind.

Warum das Getting Ready so wichtig ist

Für mich als Fotograf ist das Getting Ready eine Herausforderung und ein Geschenk zugleich. Herausfordernd sind die engen Räume, das wechselnde Licht und die viele Bewegung: Make-up-Artistin, Friseurin, Trauzeuginnen, Eltern – alle sind gleichzeitig unterwegs. Ein Geschenk ist es, weil die Bilder, die hier entstehen, roh, echt und voller Emotion sind. Aufregung, Glück, ein Moment von Verletzlichkeit, wenn das Kleid geschlossen wird – das lässt sich nicht stellen.

Der zweite Grund ist erzählerischer Natur. Eine Hochzeitsreportage erzählt einen Tag von Anfang bis Ende. Wenn die Geschichte erst bei der Trauung beginnt, fehlt die Vorgeschichte: das Kleid auf dem Bügel vor dem Fenster, die Ringe, die noch in der Schachtel liegen, die Einladung, die alles ausgelöst hat. Diese stillen Detailbilder tragen später im Hochzeitsalbum genauso viel wie der erste Kuss.

Und drittens: Wer das Getting Ready ruhig beginnt, ist auch bei der Trauung präsenter. Ein Tag, der mit Pufferzonen statt Minutenstress startet, bleibt bis zum Abend spürbar entspannter – und das sieht man in jedem Bild.

Getting Ready Hochzeit: Ablauf und Zeitbedarf

Die häufigste Frage ist die nach der Zeit. Meine Faustregel aus vielen Hochzeiten: Plant den Beginn von Frisur und Make-up mindestens 2,5 bis 3 Stunden vor der Trauung ein. Für die fotografische Begleitung reichen 90 Minuten – 60 Minuten bei der Braut, 30 Minuten beim Bräutigam. Ich komme dafür rund 90 Minuten vor dem Anziehen des Brautkleids.

So sieht das in der Praxis aus:

Zeit vor Abfahrt zur TrauungWas passiertca. 3 Std.Frisur und Make-up beginnen, Raum ist aufgeräumtca. 90 Min.Ich komme an, die ersten 15 Minuten gehören den Details90–45 Min.Beobachten: Make-up-Artistin bei der Arbeit, Trauzeuginnen, Mutter, kleine Szenenca. 45 Min.Make-up und Frisur sind fertigca. 30 Min.Das Brautkleid wird angezogen30–0 Min.Spiegelblick, Umarmungen, Brautstrauß, ein paar ruhige Porträts, Abfahrt

Das Kleid wird idealerweise 30 Minuten vor der Abfahrt angezogen – nicht früher. Zu diesem Zeitpunkt müssen Make-up und Frisur wirklich fertig sein, sonst geraten die letzten Minuten in Hektik, und genau dann entstehen sonst die schönsten Bilder: der Moment, wenn alles sitzt und plötzlich klar ist, dass es jetzt losgeht.

Die ersten 15 Minuten: Details in Ruhe

Wenn ich ankomme, beginne ich nicht mit Menschen, sondern mit Dingen. Die ersten 15 Minuten fotografiere ich in Ruhe die Details: Schuhe, Ringe, Parfum, den Brautstrauß, falls er schon da ist, die Einladung. Das hat zwei Vorteile. Ich kann mich im Raum orientieren, das Licht lesen und die besten Stellen finden. Und ihr müsst in dieser Zeit nichts tun – die Frisur läuft einfach weiter.

Danach: beobachten, nicht inszenieren

Nach den Details ziehe ich mich zurück und beobachte. Ich fotografiere die Make-up-Artistin bei der Arbeit, die Trauzeuginnen, die Mutter, die kleinen Gesten zwischendurch. Niemand muss lächeln oder in die Kamera schauen. Je weniger ihr euch um mich kümmert, desto besser werden diese Bilder.

Hochzeitsimpression – Schloss Luberegg Emmersdorf bei Melk

Welcher Raum funktioniert für Getting Ready Fotos?

Der Raum entscheidet mehr über die Bildqualität als jede Kamera. Drei Dinge braucht ein gutes Getting-Ready-Zimmer: viel Tageslicht, helle Wände und ausreichend Platz.

Licht: Tageslicht vor allem anderen

Wählt einen Raum mit großen Fenstern. Fensterlicht ist weich, schmeichelt der Haut und macht Make-up und Stoffe natürlich sichtbar. Buntes künstliches Licht – die warme Nachttischlampe, die kalte Deckenleuchte, das Farbspiel einer LED-Leiste – ist einer der drei sicheren Bildkiller. Wenn irgendwo eine Lampe brennt, schalte ich sie meistens aus und rücke den Stuhl der Braut näher ans Fenster.

Hotel oder zu Hause?

Beides kann wunderbar funktionieren. In der Wachau und Umgebung eignen sich Häuser mit großen Fenstern hervorragend, etwa Schloss Dürnstein, das Steigenberger in Krems oder das Loisium in Langenlois. Wichtig bei Hotelzimmern: Vermeidet Räume mit Spiegelschränken. Spiegel erzeugen Reflexionen, in denen plötzlich ich, das Stativ oder der Koffer auftauchen.

Wenn ihr euch zu Hause vorbereitet, hat das einen eigenen Wert – vertraute Umgebung, eigene Möbel, vielleicht das Kinderzimmer von früher. Die Regel dafür: Räumt das Zimmer am Morgen leer. Schon eine Wasserflasche im Hintergrund kann ein perfektes Bild ruinieren. Ich habe mehr als einmal ein sonst wunderschönes Umarmungsbild aussortiert, weil hinten ein Pizzakarton lag.

Ordnung: die 10-Minuten-Regel

Bittet eure Trauzeugin, vor dem Anziehen zehn Minuten aufzuräumen. Kleidersäcke in den Nebenraum, Plastikflaschen weg, Handys und Ladekabel vom Tisch, Schminkkoffer an eine Seite. Drei kleine Handgriffe verändern jedes Bild – und ihr müsst euch darum nicht selbst kümmern.

Was beim Getting Ready bereitliegen sollte

Legt am Vorabend alles zurecht, was ich fotografieren soll. Ihr habt am Morgen weder Zeit noch Nerven, den zweiten Ohrring zu suchen.

Die stilllebenartigen Bilder dieser Dinge erzählen die Vorgeschichte des Tages. Und sie sind später der ruhige Auftakt im Album, bevor die Menschen ins Bild kommen.

Hochzeitsimpression – Schloss Haindorf - Niederösterreich

Braut und Bräutigam parallel – so arbeiten wir zu zweit

Eine Frage, die viele Paare beschäftigt: Wer ist beim Bräutigam, wenn der Fotograf bei der Braut ist? Wenn wir als Team zu zweit unterwegs sind, teilen wir das Getting Ready auf – eine Person bei der Braut, eine beim Bräutigam. So entstehen beide Vorbereitungen parallel, und niemand muss auf den anderen warten. Wenn ihr auch einen Hochzeitsfilm wünscht, ist die Aufteilung ohnehin sinnvoll, weil Film und Foto beide Seiten des Morgens brauchen.

Wenn ich allein fotografiere, plane ich 30 Minuten beim Bräutigam bewusst ein – meist vor der Braut, weil sein Getting Ready kürzer ist und er früher fertig ist. Danach fahre ich zur Braut, wo die Frisur ohnehin noch läuft.

Was das Getting Ready für den Bräutigam bedeutet

Männer sagen mir oft: „Bei mir gibt es nichts zu fotografieren." Das Gegenteil ist der Fall. Das gemeinsame Frühstück mit den Trauzeugen, das Krawattenbinden – meistens zu dritt und mit Diskussion –, der Moment, in dem der Bräutigam komplett angezogen vor dem Spiegel steht: Das sind ehrliche, oft sehr lustige Bilder, die im Album eine eigene Seite bekommen. Ein Tipp: Zieht euch nicht schon fertig an, bevor ich da bin. Hemd, Weste, Sakko – gerade das Anlegen ist das Motiv.

Wer sollte beim Getting Ready dabei sein?

Weniger Menschen als ihr denkt. Zu viele Personen im Raum sind der dritte große Bildkiller – nicht, weil sie stören, sondern weil sie Unruhe bringen, den Blick ablenken und im Hintergrund jedes Bild füllen. Für die Braut hat sich bewährt: Trauzeugin oder beste Freundin, Mutter, eventuell Schwester, dazu Make-up-Artistin und Friseurin. Beim Bräutigam: Trauzeuge, vielleicht ein, zwei enge Freunde, Vater.

Alle anderen – Tanten, Cousinen, Freundinnen der Freundinnen – sind bei der Trauung besser aufgehoben. Sagt das freundlich und früh, etwa mit dem Argument, dass der Raum klein ist und ihr in Ruhe starten wollt. Niemand nimmt das übel, wenn es rechtzeitig kommt.

Wer dabei ist, sollte eine Rolle haben: Die Trauzeugin knöpft das Kleid, die Mutter hilft mit dem Schleier, der Vater sieht die Tochter als Erster im Kleid. Diese Rollen ergeben von selbst die Bilder, die später berühren.

Die Stimmung: wie die schönsten Bilder entstehen

Das Getting Ready ist der ehrlichste Teil des Tages, weil noch keine Gäste zuschauen. Genau deshalb sollte es nicht wie eine Fotosession ablaufen. Meine Empfehlung an Paare: Vergesst mich. Trinkt einen Schluck Sekt, spielt eure Musik, lacht über die falsche Schleife. Alles, was den Ablauf ruhiger macht, macht auch die Erinnerungen stärker.

Ein paar Momente, die ich fast immer bewusst begleite, ohne sie zu stellen:

Wenn ihr einen First Look plant, schließt der direkt an das Getting Ready an. Dann ist die Reihenfolge: Braut fertig, Bräutigam fertig, gemeinsamer erster Moment an einem ruhigen Ort – noch vor der Trauung. Das nimmt viel Nervosität aus dem Morgen und schenkt euch Paarzeit, die ihr später am Tag kaum mehr habt.

Häufige Fehler beim Getting Ready

Nach vielen Hochzeitsmorgen sehe ich immer dieselben Muster. Keines davon ist dramatisch, aber jedes kostet Ruhe oder Bilder.

  1. Zu knapp geplant. Make-up und Frisur brauchen länger als geschätzt. Wer das Kleid „schnell noch" anziehen muss, während das Auto wartet, verliert die schönsten 30 Minuten des Morgens.
  2. Der Raum ist ein Lager. Plastikflaschen, Pizzakartons, Kleidersäcke im Hintergrund – die drei Dinge, die ich am häufigsten wegräumen muss.
  3. Künstliches Licht. Deckenleuchte an, Vorhänge zu. Bitte umgekehrt.
  4. Zu viele Menschen. Jede zusätzliche Person im Raum verdoppelt die Unruhe.
  5. Details nicht bereit. Die Ringe sind beim Trauzeugen, die Schuhe noch im Karton, die Einladung liegt zu Hause.
  6. Bräutigam schon fertig. Er hat sich um acht Uhr angezogen und wartet seit zwei Stunden auf dem Sofa. Das Anziehen ist das Motiv, nicht das Warten.
  7. Getting Ready als Wartezeit. Der wichtigste Fehler: Wer diese Phase nicht als Programmpunkt sieht, plant sie nicht – und dann fehlt sie später im Album.

Wie das Getting Ready in den ganzen Tag passt

Das Getting Ready ist der erste Baustein einer Tagesdramaturgie, die mit Pufferzonen statt Minutenstress arbeitet. Wenn der Morgen ruhig läuft, bleibt ihr bei der Trauung, bei der Agape und am Abend präsent. Ruhige Übergänge zwischen den Programmpunkten sorgen dafür, dass echte Begegnungen entstehen – und genau die wollen wir dokumentieren.

Was mir bei der Planung hilft: Definiert vorab die drei wichtigsten Ziele für euren Tag. Was soll sich emotional richtig anfühlen? Was soll organisatorisch leicht laufen? Was soll in den Erinnerungen sichtbar sein? Mit diesen drei Antworten lassen sich Zeitplan, Raumwahl und auch Budget präzise ausrichten. Wie der komplette Ablauf aus meiner Sicht aussieht, habe ich im Beitrag zum entspannten Ablaufplan aus Fotografensicht beschrieben; eine Vorlage findet ihr im Ratgeber Ablaufplan.

Reduzierte Gestaltung mit stimmigen Farben und klaren Zonen hilft auch am Morgen: ein Raum, ein Fenster, ein Stuhl, ein Bügel. Mehr braucht ein gutes Getting Ready nicht.

Hochzeitsimpression – Stift Göttweig

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Getting Ready bei einer Hochzeit?

Für Frisur und Make-up solltet ihr mindestens 2,5 bis 3 Stunden vor der Trauung starten. Fotografisch begleite ich das Getting Ready rund 90 Minuten: 60 Minuten bei der Braut, 30 Minuten beim Bräutigam. Das Kleid wird etwa 30 Minuten vor der Abfahrt angezogen.

Wann sollte der Fotograf zum Getting Ready kommen?

Etwa 90 Minuten bevor das Brautkleid angezogen wird. Die ersten 15 Minuten nutze ich für Details in Ruhe, danach beobachte ich die Szene. Wenn ich zu früh komme, entstehen viele Bilder mit Lockenwicklern; zu spät fehlt die Vorgeschichte. Wie viele Stunden insgesamt sinnvoll sind, lest ihr im Beitrag Wie viele Stunden Hochzeitsfotografie.

Welcher Raum eignet sich für Getting Ready Fotos?

Ein heller Raum mit großen Fenstern, hellen Wänden und genügend Platz. Hotelzimmer mit Spiegelschränken bitte vermeiden. Zu Hause den Raum am Morgen leerräumen – alles, was nicht ins Bild gehört, kommt in den Nebenraum.

Wer sollte beim Getting Ready dabei sein?

Ein kleiner Kreis: Trauzeugin oder beste Freundin, Mutter, eventuell Schwester, dazu Make-up und Friseur. Beim Bräutigam Trauzeuge, ein, zwei Freunde und Vater. Zu viele Personen bringen Unruhe und füllen jeden Bildhintergrund.

Braucht der Bräutigam ein eigenes Getting Ready?

Ja, und es ist kürzer, aber oft sehr ehrlich: Frühstück mit den Trauzeugen, Krawattenbinden, der Blick in den Spiegel. Ich plane bewusst 30 Minuten ein. Wichtig: nicht schon fertig angezogen sein, bevor die Kamera da ist.

Getting Ready und First Look – wie passt das zusammen?

Der First Look schließt direkt an das Getting Ready an: Beide sind fertig, treffen sich an einem ruhigen Ort und sehen sich zum ersten Mal – noch vor der Trauung. Das nimmt Nervosität und schenkt Paarzeit. Mehr dazu im Beitrag zum First Look.

Wie ich euch dabei begleite

Beim Kennenlerngespräch reden wir früh über den Morgen: Wo bereitet ihr euch vor, wie ist das Licht dort, wer ist dabei, und wie viel Zeit bleibt bis zur Trauung. Daraus entsteht ein Ablauf mit echten Pufferzonen, in dem das Getting Ready ein eigener Programmpunkt ist und nicht Wartezeit. Am Tag selbst komme ich leise an, beginne mit den Details und bleibe im Hintergrund – ihr müsst nichts stellen und nichts organisieren. Mehr zu meiner Arbeitsweise findet ihr auf der Seite Hochzeitsfotografie. Wenn ihr wissen wollt, ob euer Termin noch frei ist, schreibt mir einfach über Kontakt.