Green Wedding statt Greenwashing: so wird eure Hochzeit nachhaltig

Green Wedding ist zu einem Wort geworden, das auf vielen Hochzeitsseiten steht und selten etwas bedeutet. Papierstrohhalme neben dem Feuerwerk, „nachhaltige" Gastgeschenke einzeln in Plastik verpackt, Bio-Superfood aus Übersee auf dem Menü – und am Ende des Abends drei Müllsäcke Einwegdeko. Das ist Greenwashing: das Label „nachhaltig" nutzen, ohne wirklich etwas zu verändern.

Eine wirklich nachhaltige Hochzeit ist etwas anderes, und ehrlich gesagt auch etwas Einfacheres. Sie beginnt bei ein paar großen Entscheidungen, die den meisten Unterschied machen – und lässt die Symbolik weg, die nur gut aussieht. Immer mehr Paare, die ich begleite, stellen sich genau diese Fragen: Wo kommen unsere Blumen her? Können wir regionale Dienstleister einbinden? Gibt es nachhaltige Alternativen bei Kleidung oder Dekoration?

Ich bin Fotograf, kein Umweltberater. Aber ich bin seit vielen Jahren bei Hochzeiten in der Wachau und in Niederösterreich dabei, ich komme aus der Gastronomie und Weinwirtschaft dieser Region, und ich sehe sehr genau, was am Ende eines Hochzeitstages übrig bleibt – im Müllcontainer und im Album. Aus dieser Perspektive ist dieser Beitrag geschrieben: Was wirkt wirklich, was ist Dekoration, und wo liegen die konkreten Hebel bei uns in der Region.

Was wirklich wirkt – und was nur so aussieht

Nachhaltigkeit bei einer Hochzeit folgt einer einfachen Reihenfolge. Zuerst kommen die Entscheidungen, die den größten Effekt haben, dann die, die sich gut anfühlen. Beides ist erlaubt – aber wer nur das Zweite macht und das Erste ignoriert, betreibt Greenwashing im eigenen Fest.

Wirkt starkWirkt wenig, sieht aber nachhaltig ausGästezahlPapierstrohhalmeAnreise und Übernachtung der Gäste„Bio"-Gastgeschenke in PlastikfolieRegionales, saisonales CateringImportiertes Bio-SuperfoodRegionale SaisonblumenEin Baum als Ritual, daneben ImportrosenDeko mieten statt kaufenEinwegdeko aus „nachhaltigen" MaterialienWeniger PerfektionismusFeuerwerk mit grüner Beschriftung

Die linke Spalte ist der Kern jeder Green Wedding. Die rechte Spalte ist nicht verboten – sie ist nur nicht der Punkt.

Die Gästezahl: der Hebel, über den niemand reden will

Die unbequemste Wahrheit zuerst: Der größte Hebel für eine nachhaltige Hochzeit ist die Zahl der Menschen, die kommen. Jeder Gast bedeutet Anreise, Menü, Getränke, Platz, Deko, oft eine Übernachtung. Eine Hochzeit mit 60 Gästen hat einen völlig anderen Fußabdruck als eine mit 140 – egal, wie viele Trockenblumen auf den Tischen stehen.

Ich sage das nicht, weil kleine Hochzeiten besser wären. Ich sage es, weil die Gästezahl der einzige Faktor ist, der alle anderen mitzieht. Wer 20 Gäste weniger einlädt, spart nicht nur Ressourcen, sondern auch spürbar Geld – wie ihr diesen Hebel bewusst nutzt, habe ich im Beitrag Gästeliste als Budgethebel beschrieben. Und aus meiner Sicht als Fotograf: Kleinere Hochzeiten haben mehr Zeit füreinander, mehr Gespräche, mehr ruhige Momente. Das sieht man in den Bildern.

Hochzeitsimpression – Gartenhochzeit

Anreise: die Location gehört dorthin, wo die Gäste sind

Die Anreise der Gäste ist der größte Umwelt-Hebel nach der Gästezahl. Eine Location in der Nähe der meisten Gäste spart am meisten CO₂ – mehr als jede Entscheidung bei Deko oder Papeterie. Wenn eure Familie aus Wien und dem Umland kommt, ist die Wachau eine gute Wahl. Wenn die Hälfte der Gäste aus Vorarlberg anreisen müsste, ist sie es nicht, egal wie schön der Donaublick ist.

Zwei Entscheidungen verstärken den Effekt:

Wenn Gäste aus Wien kommen, denkt auch an einen Shuttle oder an die Bahn: Krems und Melk sind gut angebunden, und ein gemeinsamer Bus ist am Abend die sicherere Lösung als vierzig einzelne Fahrten.

Catering: saisonal, regional, reduziert

Hier komme ich aus der Gastronomie, deshalb erlaube ich mir eine klare Aussage: Saisonale und regionale Zutaten vom lokalen Caterer sind nachhaltiger als importiertes Bio-Superfood. Das Bio-Siegel auf einer Avocado ändert nichts an ihrem Flugweg. Ein Menü aus dem, was im Juni oder September in Niederösterreich wächst, braucht kein Siegel, um nachhaltig zu sein.

In der Wachau und im Umland ist das kein Verzicht, sondern ein Gewinn: Marillen im Sommer, Wild und Kürbis im Herbst, Fisch aus der Donau, Gemüse aus dem Tullnerfeld, Käse und Fleisch von Höfen in der Nähe. Und beim Wein liegt es ohnehin auf der Hand – eine Hochzeit in der Wachau mit Wein aus Übersee wäre absurd. Grüner Veltliner und Riesling von den Terrassen, an denen ihr vielleicht sogar heiratet, sind die regionalste Entscheidung, die es gibt. Wer auf einem Weingut feiert, hat den Keller direkt unter dem Festsaal – mehr dazu im Beitrag zur Hochzeit am Weingut in der Wachau.

Zwei weitere Punkte, die mehr bewirken als jedes Menü-Label:

Floristik: weniger Import, mehr Wiese

Importierte Rosen aus Kenia haben einen enormen CO₂-Fußabdruck – Kühlkette, Flug, Verpackung. Saisonale Blumen vom regionalen Floristen sind nachhaltiger und passen meist auch besser zur Landschaft, in der ihr heiratet. Im Frühling Tulpen und Ranunkeln, im Sommer Pfingstrosen, Dahlien und Wiesenblumen, im Herbst Hortensien, Gräser und Beeren.

Zwei Alternativen, die ich als Fotograf besonders mag: Trockenblumen, die nach der Hochzeit bleiben und nicht am Montag im Müll landen, und Wildblumen-Arrangements, die auf einer Weinbergterrasse wirken, als hätte man sie gerade daneben gepflückt. Beides fotografiert sich wunderbar, weil es nicht gegen die Umgebung arbeitet.

Hochzeitsimpression – Gartenhochzeit · Loibenhof Wachau

Deko: mieten statt kaufen

Die wenigsten Paare brauchen nach der Hochzeit 120 Vasen, 40 Kerzenständer, 15 Tischläufer und 100 Stuhlhussen. Trotzdem werden sie gekauft, einmal benutzt und dann verschenkt, verkauft oder entsorgt. Die Lösung ist einfach: Deko-Verleih. Vasen, Kerzenständer, Tischläufer, Stuhlhussen – alles mieten, nach der Hochzeit zurückgeben. Das erzeugt keinen Müll bei voller Wirkung.

Und ein Gedanke, der in der Wachau besonders gilt: Die Location ist die Deko. Alte Steinmauern, ein Weinkeller, eine Terrasse über der Donau, historische Häuser mit eigener visueller Identität – das braucht keine Überfrachtung. Reduzierte Gestaltung mit stimmigen Farben, klare Zonen für Trauung, Empfang und Dinner, am Abend warmes, weiches Licht. Weniger Deko ist nicht nur nachhaltiger, sie sieht auch hochwertiger aus.

Papeterie: digital zuerst

Digitale Save-the-Dates und ein RSVP-System sparen Papier und Porto – und sie sparen euch das Nachtelefonieren bei Gästen, die die Antwortkarte nie abgeschickt haben. Wer trotzdem gedruckte Einladungen möchte, weil sie sich einfach anders anfühlen, wählt recyceltes Papier oder Graspapier. Die Einladung fotografiere ich beim Getting Ready übrigens gerne mit – eine schöne Karte ist Teil der Geschichte, eine Massenkarte nicht.

Kleidung: Second-Hand, Vintage und ein zweites Leben

Ein besonders schöner Trend sind Second-Hand-Kleider oder Vintage-Outfits. Ein Kleid, das schon eine Geschichte hat, bringt eine eigene Eleganz mit – und es verhindert, dass ein Kleid für einen Tag produziert wird. Dasselbe gilt für den Anzug: Ein Anzug, der danach im Alltag getragen wird, ist die nachhaltigste Wahl, die es gibt.

Aus Fotografensicht: Ein Vintage-Kleid mit Geschichte fotografiert sich nicht schlechter als ein neues – oft besser, weil es Charakter hat und nicht wie aus dem Katalog aussieht.

Wachau und Niederösterreich: die konkreten Hebel

Zusammengefasst für eine Hochzeit bei uns in der Region – Maßnahmen nach Wirkung:

Große Wirkung - Gästezahl bewusst festlegen, bevor die Location gebucht wird - Location dort wählen, wo die Mehrheit der Gäste herkommt, mit Übernachtung vor Ort - Trauung, Empfang und Fest an einem Ort - Menü aus regionalen, saisonalen Zutaten, Wein aus der Wachau - knappe Mengenplanung, Reste-Vereinbarung mit dem Caterer

Mittlere Wirkung - saisonale Blumen vom Floristen aus der Region, Trockenblumen oder Wildblumen - Deko und Stuhlhussen mieten, Location als Kulisse nutzen - Shuttle oder Bahn für Gäste aus Wien

Kleine, aber ehrliche Wirkung - digitale Einladungen, Recyclingpapier für den Rest - Second-Hand- oder Vintage-Kleid, Anzug mit zweitem Leben - kein Feuerwerk, keine Einweg-Gastgeschenke

Eine detaillierte Liste zum Abhaken findet ihr in der Zero-Waste-Hochzeit-Checkliste.

Fotografensicht: Erinnerungen sind der nachhaltigste Posten

Jetzt zu dem Teil, den ich am besten beurteilen kann. Wenn ich am Ende eines Hochzeitstages die Location verlasse, sehe ich zwei Dinge: das, was weggeworfen wird, und das, was bleibt. Weggeworfen werden Blumen, Deko, Papier, Reste. Was bleibt, sind die Menschen, die Erinnerungen – und die Bilder.

Deshalb ist meine ehrliche Empfehlung an Paare, die eine Green Wedding planen: Investiert dort, wo etwas bleibt. Ein Fotobuch, das in 30 Jahren noch auf dem Tisch liegt, ist nachhaltiger als jede Tischdeko, die am Montag im Container landet. Ein Hochzeitsalbum aus gutem Papier, ein Film, der die Stimmen der Großeltern bewahrt – das sind die Posten, die pro eingesetztem Euro am längsten wirken. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Paar nach zehn Jahren die Stuhlhussen vermisst. Die Bilder schon.

Dazu kommt etwas, das ich bei nachhaltig geplanten Hochzeiten fast immer beobachte: Sie wirken entspannter. Weniger Perfektionismus, weniger Druck, weniger Dinge, die noch schnell aufgebaut werden müssen. Die Atmosphäre, die dabei entsteht, wirkt ehrlicher – und dadurch besonderer. Echte Momente entstehen durch Präsenz, nicht durch Perfektion. Dieser Gedanke passt gut zu dem, was ich im Beitrag zum Gegentrend zur Instagram-Perfektion beschrieben habe.

Der Ablauf gehört dazu

Eine Green Wedding bedeutet nicht, dass alles perfekt sein muss. Sie bedeutet, dass ihr an den großen Stellen bewusst entscheidet und den Rest gelassen nehmt. Das gilt auch für den Tagesablauf: Pufferzeiten statt Minutenstress, ruhige Übergänge zwischen Trauung, Agape und Abendprogramm, Raum für echte Begegnungen und Gespräche. Ein Tag mit weniger Programmpunkten und mehr Zeit ist nicht nur nachhaltiger, weil weniger auf- und abgebaut wird – er ist auch der Tag, an dem die besseren Bilder entstehen.

Definiert vorab eure drei wichtigsten Ziele: Was soll sich emotional richtig anfühlen? Was soll organisatorisch leicht laufen? Was soll in den Erinnerungen sichtbar sein? Mit diesen drei Antworten lassen sich Budget, Ablauf und Gestaltung präzise ausrichten – und ihr merkt schnell, dass viele Dinge, die eine Hochzeit teuer und aufwendig machen, in keiner der drei Antworten vorkommen.

Hochzeitsimpression – Weingut Brustbauer Wachau

Häufige Fragen

Was ist eine Green Wedding?

Eine Hochzeit, die an den Stellen mit großer Wirkung bewusst nachhaltig geplant ist: Gästezahl, Anreise, regionales und saisonales Catering, Blumen aus der Region, gemietete statt gekaufte Deko, weniger Einweg. Es geht nicht um Perfektion, sondern um ehrliche Entscheidungen statt Symbolik.

Was ist Greenwashing bei einer Hochzeit?

Das Label „nachhaltig" verwenden, ohne wirklich etwas zu verändern – etwa umweltfreundliche Gastgeschenke in Plastik, eine „grüne" Hochzeit mit Feuerwerk oder nachhaltige Deko, die am nächsten Tag im Müll landet.

Welche Maßnahme bringt am meisten?

Die Gästezahl und die Anreise. Eine Location in der Nähe der meisten Gäste, mit Übernachtung vor Ort und Trauung und Fest an einem Ort, spart mehr CO₂ als alle Deko-Entscheidungen zusammen.

Ist eine nachhaltige Hochzeit teurer?

In der Regel nicht – oft günstiger. Weniger Gäste, gemietete Deko, saisonales Menü und digitale Einladungen senken die Kosten. Teurer wird es nur, wenn man Nachhaltigkeit als zusätzliches Label kauft, statt Dinge wegzulassen.

Kann man in der Wachau nachhaltig heiraten?

Sehr gut. Weingüter mit eigenem Wein, Küche aus der Region, Locations mit Übernachtung und eine Landschaft, die keine Deko braucht – die Wachau bringt vieles mit, was anderswo organisiert werden müsste. Wichtig bleibt, dass die Gäste nicht quer durch Österreich anreisen müssen.

Was bleibt von einer Green Wedding?

Die Erinnerungen. Ein Album aus gutem Papier und ein Film sind die Posten, die am längsten wirken – im Gegensatz zu Deko, Blumen und Papier, die nach einem Tag entsorgt werden. Deshalb lohnt es sich, dort zu investieren, wo etwas bleibt.

Wie ich euch dabei begleite

Bei Paaren, die bewusst und reduziert feiern wollen, spreche ich im Kennenlerngespräch früh über Ablauf, Ort und Zeit – oft lässt sich mit einem Ort statt drei und mit weniger, dafür ruhigeren Programmpunkten viel gewinnen, für die Umwelt und für die Bilder. Ich arbeite unaufdringlich, brauche keine Kulissen und keine Requisiten, und am Ende bekommt ihr Bilder und auf Wunsch einen Film, die in Jahrzehnten noch Bestand haben. Mehr zu meiner Arbeitsweise findet ihr auf der Seite Hochzeitsfotografie. Wenn ihr wissen wollt, ob euer Termin noch frei ist, schreibt mir einfach über Kontakt.